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Sonderbeilagen

22. September 2017 | 01:46 Uhr

:chancen :wege :perspektiven

Nele ist die Frau der Ringe

DER AUSBILDUNGSRATGEBER FÜR DEN NORDEN

Eine junge Goldschmiedin aus Rostock ist von ihrem Beruf begeistert

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„Mama war schuld.“ Nele Brunst lacht. „Sie hat schon als Kind mit mir getöpfert.“ Zwar fertigte die 21-Jährige damals noch keine Handwerkskunst an, die sich verkaufen ließ, dafür entdeckte sie ihre Kreativität. „Und die ist schließlich das, was zählt“, betont die Rostockerin. Mittlerweile ist Nele im vierten Jahr ihrer Ausbildung zur Goldschmiedin.

„Ich kann mich sehr gut mit dem Beruf identifizieren. Auch nach Feierabend sitze ich zu Hause und gestalte Schmuck. Ich weiß, dass ich immer in diesem Job arbeiten will“, beschreibt Nele Brunst ihre Qualifikation.

Nach dem Ausbildungsende im Frühjahr möchte die Rostockerin Erfahrungen im Ausland sammeln. „Ich denke da an England. Dort wird noch ganz anders gearbeitet, mit ursprünglicheren Fertigungstechniken. Das reizt mich.“ Anschließend plant sie ihren Meister. „Ich möchte irgendwann den Schritt in die Selbstständigkeit gehen“, verrät sie – und das, obwohl der Beruf des Goldschmiedes allmählich zum aussterbenden Exoten mutiere.

„Als ich meine Ausbildung begann, saßen in der Klasse knapp 20 Schüler. Momentan sind in den Lehrgängen vier bis fünf Azubis. Dass darüber hinaus die rein schulische Ausbildung abgeschafft wurde, hat mir die Augen geöffnet“, sagt Dorin Kipke-Rehpenning.

Als Neles Ausbilderin und Inhaberin der Rostocker Klostergoldschmiede ist sie traurig über diese Entwicklung. „Wir haben viele Stammkunden, die uns über das Jahr hinweg mit Arbeit versorgen. Aber Kleinbetriebe, die neu ins Geschäft einsteigen, haben es wirklich schwer“, weiß sie. Der Druck der Wirtschaftlichkeit sei zu groß. „Auch wir haben das in den vergangenen Jahren zu spüren bekommen. Vor allem die Touristen kommen nicht mehr und die jüngere Generation greift lieber auf Modeschmuck zurück. Hinzu kommt unsere Geschäftslage: jeder, der nur ein paar Meter von der Haupteinkaufsstraße entfernt ist, hat ein Problem.“ Und dennoch bildet Dorin Kipke-Rehpenning aus – als Einzige in Rostock. „Ich bin begeistert von der Kreativität, die Nele an den Tag legt. Die Kreativität verbindet uns. Wir konstruieren etwas in unserem Kopf, das noch keiner sehen kann. Dann bringen wir es zu Papier und fertigen es an. Wir schaffen etwas Neues.“

Bei jedem Stück,das sie anfertige,würde Nele ein Stück von sich selbst einfließen lassen. Ganz besonders aufgeregt sei sie, wenn ein Auftrag für Verlobungsringe eintrudelt. „Ich habe da eine sehr romantische Vorstellung. Immerhin ist das der Ring, der das Leben zweier Menschen für immer verändern kann“, sagt sie.

Dass Nele ihre Ausbildung engagiert und mit viel Freude absolviert, blieb nicht unbemerkt. Sie gehörte zu den 12 Favoriten der letzten Top Azubi-Wahl. Seit zehn Jahren wird der Titel „Top Azubi“ von den Industrie- und Handelskammern des Landes vergeben.

Auch wenn es am Ende für den ersten Platz leider nicht gereicht hat, hat Nele schon etwas erreicht, von dem viele Jugendliche träumen: Sie hat ihren Traumberuf im Handwerk gefunden.
Josefine Rosse

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