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Sonderbeilagen

22. September 2017 | 01:46 Uhr

Zum Glück

Wenn aus zwei drei werden

Hebamme Kathrin Herold begleitet Eltern während der Schwangerschaft und nach der Geburt

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Betreiben eine gemeinschaftliche Hebammenpraxis: Kathrin Herold (l.) und Christine Schur betreuen Familien aus Rostock. FOTO: JOSEFINE ROSSE
„Meine Oma hat immer gesagt, man braucht kein großes Glück, sondern ganz viele kleine. Und ich erlebe täglich viele Momente, die mich glücklich machen.“ Als Hebamme kümmert sich Kathrin Herold um das größte Glück der anderen: „Ich betreue Frauen während und nach der Schwangerschaft, begleite sie also in einer Phase, in der ein neuer Lebensabschnitt beginnt.“ Mutter sein rufe Veränderungen hervor. „Plötzlich wird das eigene Leben irgendwie fremdbestimmt. Das ist eine große Herausforderung, mit der die Eltern lernen müssen umzugehen“, erklärt Herold. Auch den Vätern versucht sie eine Stütze zu sein:„In den ersten Monaten brauchen Babys vor allem ihre Mutter. Viele Männer wissen nicht, worin ihr Auftrag besteht. Dabei können sie ihre Frauen sehr gut unterstützen. Die Frauen müssen nur sagen, was sie wollen und brauchen.“

Hebamme zu sein, bedeute einen Non-Stop-Job zu haben. Freie Wochenenden gäbe es für Kathrin Herold nur selten, auf geplanten Urlaub verzichte sie weitestgehend. Für das eigene Familienleben sei dies manchmal schwierig. „Aber auch hier bin ich gesegnet.Die Zeit mit meinem Sohn und mit meinem Mann empfinde ich als großes Glück.“Dennoch gibt Herold zu bedenken: „Das Leben ist nicht nur Glück. Hebamme Kathrin Herold begleitet Eltern während der Schwangerschaft und nach der Geburt Wäre es so, könnte man Glück nicht mehr identifizieren.“ Auch in ihrem Beruf als Hebamme sieht sie sich manchmal Situationen ausgesetzt, in denen sie sich hilflos fühlt.„Zum Beispiel,wenn etwas schlimmes Unerwartetes passiert“, sagt sie. „In der Regel erlebe ich aber sehr erfüllte Tage. Glücklich bin ich, wenn ich gemeinsam mit den Eltern das erste Lächeln ihres Kindes sehe, wenn eine Beratung einer Frau weiterhilft, wenn ich mit meinem Fahrrad in der Sonne von einem Hausbesuch zum nächsten fahren darf.Es gibt viele Augenblicke, die wertvoll sind.“

Herold arbeitet seit 15 Jahren als Hebamme. Sie habe sich damals nicht für den Job entschieden, weil sie reich werden wollte, sondern weil sie vom Frau sein fasziniert war.„Ich wollte mich beruflich der Weiblichkeit widmen“, sagt sie.Bereut habe sie das nie: Dankbarkeit und Wertschätzung seien Teil ihrer täglichen Arbeit.„Es gibt viele Eltern, die sich eine Hebammenbetreuung wünschen“, weiß die Rostockerin, die im Jahr etwa 60 Frauen betreut. In ihrer Funktion als Still- und Ernährungsbeauftragte des Hebammenverbandes Mecklenburg-Vorpommern tätig, bietet sie zudem Beratungen an.„Auch diese Arbeit empfinde ich als großes Glück“, schwärmt sie.

Josefine Rosse


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