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Sonderbeilagen

20. November 2017 | 13:51 Uhr

Zum Glück

„Du bist, was Du isst“ 

Ernährungsexpertin Alste Janßen verrät, was sie am „Bio“-Begriff stört und warum unterwegs essen ungesund ist

Image №1
Du bist, was du isst“ ist ein geflügeltes Wort. Was verrät die Ernährung tatsächlich über eine Person?
Oh, ziemlich viel! Was wir essen hat viel damit zu tun, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen und wie wir uns in ihr verhalten. Vielen Menschen scheint der Bezug für Nahrungsmittel aber verloren gegangen zu sein. Die Leute, die selbst eine Kuh gemolken, Erdbeeren gepflückt oder ein Brot gebacken haben,werden immer weniger. Umgekehrt gibt es viele Bücher mit Rezepten zur veganen Küche, Versprechungen, sich schlank zu schlafen, oder Geschichten über dickmachendes Getreide. Sie sind häufig einseitig ausgerichtet und tragen zu großer Verunsicherung bei. Dabei ist die eigene Ernährung so individuell wie man selbst.

Der „Bio-Trend“ führt in Deutschland dazu, dass viele Menschen auf nachhaltige Tierhaltung setzen. Auch ein Zeichen persönlicher Selbstverwirklichung?
Durch die steigende Nachfrage nach Bioprodukten sind die Preise in den letzten Jahren stark gefallen.Folglich ist es für breitere Bevölkerungsgruppen möglich, mehr Bioprodukte zu konsumieren. Das ist positiv, obwohl ich den Begriff recht Ernährungsexpertin Alste Janßen verrät, was sie am „Bio“-Begriff stört und warum unterwegs essen ungesund ist abgegrast empfinde. Unter „Bio“ verstehe ich auch Nachhaltigkeit im Umgang der Böden, artgerechte Haltung, saisonale Angebote und geringe Transportwege. Wer „Bio“- Erdbeeren im Winter kauft, kann sich das Bio schenken. Wem abgepacktes Fleisch zu wider ist, sollte zum Schlachter seines Vertrauens gehen. Da ist die Bratwurst teurer als in der Kühltheke, doch beim Fleisch gilt: Weniger ist mehr.

Wir essen meist nicht aus Hunger, sondern aus Emotionen heraus. Stimmt das?
Ich hoffe doch! Leider werden die ursprünglichen Gefühle wie Hunger oder Durst durch die ständige Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln überdeckt. Wenn ich durch die Fußgängerzone gehe, sehe ich überall Menschen, die Eis, Bratwurst oder Brötchen essen. Selbst die Kinder im Kinderwagen knabbern auf ihrem Zwieback herum. Das Ergebnis ist eine zu hohe Kalorienzufuhr durch das Snack-Verhalten.

Aus Emotionen zu essen, geschieht ständig und unbewusst. Es gibt hungerfördernde und hungerstillende Emotionen. Je nachdem, welches Essverhalten in der Kindheit erlebt wurde, tröste oder belohne ich mich mit mehr oder weniger Essen. Im Laufe des Lebens haben wir uns zunehmend konditionierte Reize angefuttert. Wer zum Beispiel abends beim Fernsehgucken nascht, bekommt schon automatisch Hunger, wenn er den Fernseher einschaltet und das Signal der Tagesschau hört.

Es gibt auch das Essen aus „gutem Grund“. Sich mit Pizza und Wein von dem anstrengenden Arbeitstag zu belohnen, ist kurzfristig zwar glücklich aber langfristig nicht schlanker.

Interview Christoph Käfer


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