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Sonderbeilagen

22. September 2017 | 01:46 Uhr

Zum Glück

Angeln ist wie Weihnachten 

Auszeit vom Alltag am Wasser bietet Spannung und Erholung

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Man weiß nie, was anbeißt: Hier hat Arne Peters einen Dorsch geangelt. FOTO: LEMKE
Angeln ist wie Weihnachten. Es beginnt schon lange vor der Bescherung. Wer einen Angler am See sitzen sieht, fragt sich vielleicht, was so faszinierend daran ist, stumm aufs Wasser zu schauen und nur darauf zu warten, dass endlich ein Fisch anbeißt. Doch gerade diese Stille, diese Auszeit vom Alltag ist es, was viele Angler immer wieder ans Wasser treibt.

„Manchmal bleiben auch einfach nur die Stille, die Ruhe und die dahinziehenden Gedanken als einziger Fang des Tages.“

Es beginnt mit der Vorfreude, wenn man sich vornimmt, am nächsten Wochenende Angeln zu gehen. Wie wird das Wetter? Was benötige ich? Wie kleide ich mich? Meistens fahre ich mit dem Boot auf die Ostsee. Die Ausfahrt aus dem Hafen ist verbunden mit dem Gefühl, ein Teil des maritimen Lebens zu sein. Nicht selten machen Touristen Fotos von mir, wie ich mit meinem Außenbordmotor das Wasser durchpflüge. Nach wenigen Minuten schon bin ich auf weiter See. Und dann: Stille. Außer dem Wind ist nichts zu hören. Und schon beginnt der Prozess des Entspannens.

Ich werfe die Rute aus und bin frei. Die Erlebnisse des Tages, der Woche oder vielleicht von Jahren ziehen an mir vorüber. Ich finde Muße nachzudenken – über mich, über das Leben und das, was ich daraus gemacht habe. Kein Lärm, keine Verpflichtungen, einfach nur Zeit für mich.

Gleichzeitig erfüllt mich Spannung wie bei einem Kind zu Weihnachten: Man weiß nie genau, was man bekommt. Ist es der Dorsch, auf den ich es abgesehen habe, oder vielleicht ein Seelachs? Oder hängt am Ende doch nur einer der vielen Heringe am Ende der Rute? Das Zucken der Rutenspitze lässt kurz den Puls in die Höhe schnellen. Es verrät mir schon lange, bevor ich die Schnur hochgekurbelt habe, um welchen Fisch es sich handelt. Doch sicher sein, kann man sich nie. Und manchmal bleiben auch einfach nur die Stille, die Ruhe und die dahinziehenden Gedanken als einziger Fang des Tages. Selbst nach Stunden des erfolglosen Verharrens kann eine Angeltour keine verschwendete Zeit gewesen sein. Angeln ist Entspannung, ist Rückzug aus der Hektik, ist seelischer

Ausgleich, ist Glück. Glück umso mehr, wenn man erfolgreich war. Wenn man den Touristen für ihre Jagd nach Fotos eine gut gefüllte Kiste mit Fischen bieten kann. Und wie zu Weihnachten ist es mit der Bescherung nicht getan. Dann geht es ans Auspacken und Ausprobieren. Die Fische müssen ausgenommen und filetiert werden. Ein Teil wird eingefroren, ein anderer kommt gleich in die Pfanne. Er schmeckt so, wie Fisch schmecken soll.

Doch diesen Fisch habe ich selbst gefangen. Er hat sein Leben in Freiheit geführt und wurde nicht aus einer Aquakultur vom Ende der Welt hergekarrt. Mit den Kartoffeln und Bohnen aus dem eigenen Garten bildet er eine Mahlzeit aus Natur pur. Und mit jedem Bissen schluckt man ein Stück Glück hinunter.

Arne Peters
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