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Sonderbeilagen

20. November 2017 | 13:51 Uhr

Zum Glück

Großes Glück auf kleinem Raum

Kieler Haus ist an schmalster Stelle nur 90 cm breit

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Eingezwängt zwischen zwei Altbauten am Kieler Königsweg: Björn Siemsen vor seinem Haus, das die postalische Adresse „zwischen den Nummern 56 und 58“ trägt. FOTO: CARSTENS
Ob es nun wirklich das engste Haus in ganz Europa ist, sei dahingestellt. Tatsache ist: An der schmalsten Stelle zum Hinterhof misst das Gebäude außen gerade mal 90 Zentimeter. Das können viele Häuser – sei es in Barcelona, Amsterdam, Marburg oder Eisenach–nicht unterbieten.

Björn Siemsen (45) spricht von Glück, dass niemand vor ihm das Potenzial dieser seltsamen dreieckigen Baulücke von nur 29 Quadratmetern Grundfläche entdeckt hat. So konnte Siemsen nach seinem Architekturstudium ein Haus entwerfen, das sich über sechs Etagen erstreckt und sogar eine Dachterrasse in 20 Meter Höhe über Kiel besitzt – ideal für lauschige Sommerabende bei einem Gläschen Wein.

Jahrelang schlummerten die Entwürfe in seinem Schreibtisch, bis er sie zu einem Bauantrag formte. All seine Skizzen und Zeichnungen hätte Siemsen aber vermutlich vergessen können, wenn das Glück nicht zum zweiten Male auf seiner Seite gestanden hätte. Die Außenwände der beiden Nachbarhäuser erwiesen sich nämlich als stabil und dick genug, um die Anforderungen des Brandschutzes zu bestehen. So konnte zum Jahres wechsel 2007/2008 der Königsweg zur Heimatadresse für Björn und Birte Siemsen und ihre beiden Kinder werden.

Der Nachwuchs hat seine Zimmer im zweiten und dritten Stock, unter ihnen das elterliche Schlafzimmer, über ihnen Küche und Wohnzimmer. Toilette, Dusche und Badewanne liegen auf halber Treppe.


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Der dreieckige Grundriss stellte den Planer vor Herausforderungen: Links befindet sich die schmale Öffnung zum Hinterhof, in der Mitte das Treppenhaus, rechts die Wohnräume. FOTO: CARSTENS

Aus Platzmangel hat Siemsen auf Heizkörper verzichtet, für die Wärme sorgt eine Wandstrahlheizung, die ähnlich arbeitet wie Fußbodenheizungen. Einen Aufzug besitzt das eigenartige Haus in der Kieler Innenstadt ebenfalls nicht, nur einen Lastenkran für schwere Gegenstände, die nicht durchs schmale Treppenhaus passen. Die Bewohner aber müssen täglich viele Stufen nehmen, von unten bis zur Spitze sind es insgesamt 84. Übrigens allesamt aus einem einzigen Baum hergestellt, einer italienischen Eiche, die ihm ein Studienfreund zurechtgeschnitten hat. „Das Treppensteigen hält jung“, erzählt der Wohnungsbesitzer vom „Gesundheitshaus“. Das mag ihm helfen bei seinem Sport: Demnächst will Siemsen Marathon laufen.

Neben der beruflichen Herausforderung, ein bewohnbares Haus an einer denkbar engen Stelle zu entwerfen, reizte Siemsen der Gedanke an urbanes Wohnen. Die Ost-West-Ausrichtung des Hauses versprach zudem viel natürliche Helligkeit.„Eingeengt“ fühlen sich die Siemsens keinesfalls. Welch ein Glück!

Udo Carstens

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